Quality Life Forum – Dr. Auma Obama, Prof. Dr. Ingo Froböse, Anselm Bilgri & Dr. Eike Wenzel im Gespräch

eingetragen in: Kultur, N°24 | 0

Mit dem „Quality Life Forum“ in Kitzbühel hat der Initiator Robert Lübenoff  den Raum geschaffen, um über die grundlegendsten Themen unserer Zeit zu reflektieren. Vier Tage wurde referiert, diskutiert, aber auch gefeiert und gesportelt. Dem Sinn „Quality Life“ geschuldet, entsprach das Themenangebot einem beeindruckenden Spektrum: vom persönlichen, individuellen Glück, hin zu gesellschaftlichen und unternehmerischen Möglichkeiten, bis zu den futuristischen Megatrends. Ganz im Sinne des Initiators ist das „Quality Life Forum“ als Anstoß zur Reflektion zu sehen. Und so greift „Seestyle“ die wichtigsten Elemente auf und startet einen Versuch die Thesen zu hinterfragen, aber auch miteinander in Verbindung zu bringen.

 

 

Dr. Eike Wenzel – Zukunftsforschung zu den Megatrends

Mit seinem Institut für Trend- und Zukunftsforschung hat Dr. Eike Wenzel unzählige Zahlen, Fakten, Statistiken und Umfragen zusammengetragen und daraus 15 Megatrends für die kommenden 30 – 50 Jahre herausgearbeitet. Auf diese Thesen im Einzelnen einzugehen, würde den hier vorhandenen Rahmen sprengen. Ich werde jedoch gerne in kommenden Seestyle Ausgaben einzelne Punkte zu eigenständigen Artikeln verarbeiten. Beeindruckend ist zunächst die schiere Anzahl an Fakten und wie bereits erdachte Strukturen und Zusammenhänge, plötzlich durch Zahlen belegt werden. Sein Institut beschäftigt sich dabei mit allen erdenklichen Thematiken.  Die großen Veränderungstreiber fasst er u.a. in folgende Punkte zusammen: Klimawandel, Energiewende und die damit verbundene Veränderung der Infrastrukturen, der Umgang mit Rohstoffen, Neo – Urbanisierung, die Änderung hin zu einer multipolaren Weltordnung, der demographische Wandel, Änderungen im Gesundheitswesen, Digitalisierung, Mobilität, Bildung, Dezentralisierung sowie dem Umgang, der daraus resultierenden Konsequenzen. Wie z.B. Ungleichheit, Migration, Verlust von Arbeitsplätzen etc.

Drei besonders spannende Punkte möchte ich dann doch näher beleuchten.

1. Städte schaffen Vertrauen in Regierbarkeit und Veränderbarkeit

Während das Vertrauen in nationale oder gar internationale (z.B. EU) Regierungen seit 1970 stetig sinkt, ist das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit lokaler Politik konstant gestiegen. Gerade Bewohner der sogenannten Megacities spüren lokale Veränderungen unmittelbar in ihrem Alltag. Die Städte erkennen ihren Einfluss und beginnen entsprechend zu handeln. Das zeigt das amerikanische Beispiel, als einzelne Großstädte nach Trumps Ausstieg zum Klimaabkommen, einfach an den globalen Zielen festhielten. Noch besser zeigt Barcelona am Beispiel von Uber, wie Politik für Menschen aussieht. Dort wurde das wirtschaftliche Model von Uber von der Stadt übernommen und Uber selbst verboten, ihre Dienste in Barcelona anzubieten. Die Wertschöpfung bleibt in der Region, während gleichzeitig die Digitalisierungsprozesse lokal, zur Besserung der Lebensqualität genutzt werden.

2. Bedingungsloses Grundeinkommen

Dr. Eike Wenzel führt zunächst die klassischen Pro & Contra Argumentationen auf. Interessant dabei ist, dass ich einige der Contra Argumente tatsächlich für Pro Argumente halte. So führt er an: „Bedingungsloses Grundeinkommen rüttelt an einer Grundfeste unserer Wirtschaftsordnung: dass durch Konsum und Binnennachfrage Wohlstand erzeugt wird“.

Meiner Meinung verhält es sich viel mehr so, dass in einem Wirtschaftskreislauf der Konsum wesentlicher Bestandteil ist und als „Leistung“ gesehen werden muss. Fallen aufgrund von u.a. Digitalisierungsprozessen Arbeitsplätze und somit potente Konsumenten weg, liegt es im Eigeninteresse der Wirtschaft Konsum zu erhalten. Die Folge daraus ist ein bedingungsloses Grundeinkommen. An die Frage eines Grundeinkommens ist natürlich die Problematik des demographischen Wandels gekoppelt. Erst nach seinem Vortrag konfrontiere ich ihn mit der Idee einer Geburtenkontrolle, die grundlegender Bestandteil eines nachhaltigen Wirtschaftens sein muss. In unserer Welt, der als ordnendes Element eine sehr simple Idee von individueller Freiheit zugrunde liegt, scheint eine Geburtenkontrolle zunächst ein moralischer Skandal zu sein. Niemand will sich in seiner scheinbaren Freiheit begrenzen lassen.

Unsere Idee der individuellen Freiheit definiert sich durch die Begrenzung der Freiheit des Anderen. Innerhalb unserer westlichen, konsumorientierten Welt sind wir bis dato ganz gut damit gefahren – wohl ignorierend, dass unsere individuelle Freiheit, die Begrenzung der Möglichkeiten von Milliarden von Menschen in anderen Erdteilen zur Folge haben muss. Tatsächlich bestätigt Dr. Wenzel, dass der renommierte Club of Rome zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen sei.

3. Die glückliche Gesellschaft

Die drei glücklichsten Gesellschaften sind laut Dr. Wenzels Forschung in Costa Rica, Dänemark und Singapur zu finden. Erst einmal scheinen sie grundverschieden zu sein. Als wirtschaftlich schwächstes Land beeindruckt Costa Rica mit seinen Ansätzen: Als oberste Werte gelten Familie, Gesundheit, Spirit, friedlicher Umgang und Generosität. Das Militär wurde 1940 komplett abgeschafft, aus Pädagogen werden Staatspräsidenten. Die An-
alphabetenrate liegt bei 3% (4% + 14% sogenannte funktionale Analphabeten in Deutschland). Es gibt Gesundheitsbeamte die regelmäßig zu den Menschen kommen und nicht umgekehrt. Die Lebenserwartung ist seit 1970 von 66 Jahren auf aktuell 80 Jahre gestiegen. Dabei gibt es 1/3 weniger Herztode als in den USA, obwohl Costa Rica nur 10% des BIP für Gesundheit aufwendet.

Ähnliche Grundwerte besitzt auch Dänemark. 90% der Dänen sind in Vereinen organisiert und 40% begleiten dabei Ehrenämter. Der Spitzensteuersatz liegt bei 56%. Es geht um gemeinsames Vertrauen in eine gemeinsame Zukunft, bei Werten wie Achtsamkeit und Respekt vor der Natur. Radfahren ist in Dänemark übrigens Staatsräson.

Am Beispiel Singapurs wird deutlich, wie konträr das persönliche Glücksempfinden zu unserer westlichen Vorstellung generiert sein kann. Basierend auf die asiatische Tradition von Respekt, Harmonie und harte Arbeit, herrscht eine extreme Statusorientierung und Luxusaffinität. Die Bevölkerung besteht aus 3 Ethnien, die politisch befriedet wurde. Sowohl in Militäreinheiten, als auch bei Einwohner  sämtlicher Wohnkomplexe, müssen immer alle Ethnien vertreten sein. Hier muss sich allerdings noch herausstellen, wie nachhaltig das Glücksempfinden in Zeiten von wirtschaftlicher Rezession sein wird.

 

Dr. Auma Obama – Armut ist keine Entschuldigung

Es braucht kein intellektuelles Gerüst, keine geschliffene Rhetorik und schon gar keine selbstgefällige Überschätzung um Zuhörer zu erreichen. Dr. Auma Obama ist eine Betroffene. In ihr ist all das, über was sie spricht. Sie spürt die Ohnmacht und die damit verbundene Wut. Sie fühlt den Zweifel und erkennt darin ihren Willen. Sie weiß um die Ausweglosigkeit und sieht darin einen Beginn. Daraus resultiert Ihre Erkenntnis: Armut ist keine Entschuldigung.

Dr. Auma Obama ist die Gründerin von Sauti Kuu und spricht über diese Stiftung, die in Deutschland und Kenia tätig ist. Systeme sind selbsterhaltend, es sei denn, man ändert sie. Der in die Armut Hineingeborene bestätigt seine Rolle gegenüber der Welt, genau wie die reiche Welt Ihre Rolle gegenüber der armen Welt bestätigt. Eine Änderung der Systeme führt über individuelle Verhaltensänderungen. Sie hat diese Erkenntnis auf grundsätzliche Verhaltensweisen reduziert und vermittelt diese an Kinder und Familien in Kenia. Es beginnt dabei sein Selbstbild zu überprüfen und seine Haltung zu Anderen. Die Stiftung vermittelt dabei elementare Dinge, wie den aufrichtigen Augenkontakt im Gespräch, Dankbarkeit gegenüber Unterstützern, ohne Unterwürfigkeit oder  Selbstbestimmung in einer Balance mit Anderen. Sie lehrt den traditionellen Anbau von Nahrungsmitteln und den autarken Umgang mit Ressourcen. Nur wer sich selbst als Wertvoll empfindet, wer für seine eigene Existenz sorgen kann, kann sich als Gleichberechtigt empfinden und somit von anderen als Gleichberechtigt wahrgenommen werden. Auch wenn der Anfang noch so utopisch sein mag, all die Entwicklungshilfe der vergangenen Jahrzehnte hat doch deutlich gezeigt, dass hinter der bisher gekannten Methodik, wenig Nachhaltiges entstanden ist. Und als sich dann ein aufmerksamer Zuhörer meldet und deutlich macht, dass er seit 30 Jahren die immer gleichen Bilder von hungernden Menschen und aufgeblähten Babys sieht, weiß auch Dr. Obama nur dahingehend weiter, als Ihre Erkenntnis zu wiederholen und Ihren Glauben daran. Ihre kraftvolle und charismatische Authentizität bei diesem Thema wird allen deutlich, aber eben auch diese leise Verzweiflung, angesichts der beinahe schieren Unmöglichkeit, diese gigantische Aufgabe zu lösen.

 

Anselm Bilgri und Dr. Nikolaus Birkl – Achtsamkeit und Muße

„Gutes tun, fröhlich sein und die Spatzen pfeifen lassen“. Mit diesem Don Bosco Zitat eröffnen Anselm Bilgri und Dr. Nikolaus Birkl ihren Vortrag zum Thema Achtsamkeit. Bereits hier hätte ich als Zuhörer gerne den Vortrag unterbrochen.

Das Zitat welches in die Thematik der Achtsamkeit einführen sollte, ist die Definition einer naiv ignoranten Persönlichkeit par excellence und damit der Thematik so entgegengesetzt, wie es nur sein kann. Gleichzeitig könnte es für das zugrunde liegende Weltbild des ehemaligen Abtes Anselm Bilgri, gar nicht besser gewählt sein, zeigt es doch recht deutlich, welches Geistes Kind er ist.

Die Kombination aus „Gutes tun“ und „die Spatzen pfeifen lassen“ bedeutet, dass eine Handlung vollzogen wird, von der man per se ausgeht, dass Sie gut ist, ohne sie zu hinterfragen. Dabei noch „fröhlich“ zu sein, scheint mir grenzenlos naiv. Darin zeigt sich die Grundhaltung des Katholizismus von einer seiner unangenehmsten Seiten. Die Kirche selbst nämlich, aus ihrem historisch gewachsenen Wertekonsens, definiert darin, was gut und was schlecht (böse) ist. In dieser (ihrer) Wahrheit vertritt sie einen unangreifbaren Wahrhaftigkeitsanspruch, der sie u.a. gegen alle anderen Religionen abgrenzt. Zwar ist die katholische Kirche bereit andere Religionen zu tolerieren, besteht aber weiterhin auf den einzig wahren Absolutheitsanspruch für sich selbst. Und genau so wirken die Beiden denn auch. Es sind die guten Onkel, die für sich selbst Ihre Wahrheit aus einem katholisch geprägten Werteverständnis gefunden haben und sie gönnerhaft ihren Jüngern kundtun. Zwar würzen Sie Ihren Vortrag mit einigen Zen Anekdoten, aber die dahinterliegende Überzeugung bleibt die Alte.

Dr. Birkl bietet dann seinen Zuhörern eine Art Pyramidendiagramm über die Entstehung von Stress und die damit verbundene, körperliche Befindlichkeit. Es folgt eine Einführung in die Begrifflichkeit der „Achtsamkeit“ und ein gemeinsames Innehalten um zu „hören“. Grotesk wird es allerdings, als ich erfahren muss, dass die Beiden mit diesem Programm tatsächlich Geld mit Managementtrainings und Coachings verdienen. Mit bedeutungsschwangerer Stimme berichtet Dr. Birkl von der Stärke der Manager bei Siemens oder  VW, die in ihren Entscheidungsprozessen innehalten und sich zu verlautbaren trauen, dass sie gar keine Lösung für ein vorliegendes Problem hätten. Auch an dieser Stelle bringen diese beiden modernen „Ablassprediger“ elementare Sachverhalte durcheinander.

Der Begriff des „Managers“ beschreibt eine Funktion innerhalb eines Unternehmens. An diese Funktion sind bestimmte Aufgabenfelder gekoppelt – darunter das Erarbeiten von Lösungsprozessen. Die Idee einer achtsamen Lebensführung kann sich aber nur auf einen Menschen beziehen und nicht auf eine Funktion. Ein Mensch, der ein achtsames Leben führt, kann zwar für sich selbst Entscheidungen treffen, die ihn stärken und den eigenen Stresslevel senken, innerhalb der Funktion eines Unternehmensmanagement ist dies aber absolut kontraproduktiv. Von der Funktion einer Unternehmensführung wird Führung verlangt.
Wird die Aufgabe dieser Funktion nicht erfüllt, ist sie nicht ökonomisch.  Wie es dem Mensch dabei geht ist unternehmerisch zunächst nicht relevant. (Gerne verweise ich an dieser Stelle auf unsere Psychologiekolumne von Dr. Alexander Noll, in dem er darauf eingeht, wie Menschen versuchen Probleme auf Ebenen zu lösen, die dafür nicht relevant sind. Klicke hier).

Grundsätzlich ist es natürlich lohnenswert sich mit den Themen Achtsamkeit und Muße auseinander zu setzen. Natürlich bietet dabei die katholische Kirche, genauso wie andere Religionen oder Ideologien, tiefgehende Möglichkeiten. Den Ansatz welchen die Herren Bilgri und Birkl wählen, halte ich jedoch nur sehr eingeschränkt für empfehlenswert.

Den gecoachten Managern hätte eine simple Gesprächstherapie bei einem normalen Psychotherapeuten sicherlich mehr geholfen. Dort kann nämlich die grundsätzliche Frage, wer dieses „Ich“ eigentlich ist, welche Vorstellung wir davon haben und warum bestimmte Situationen daraus resultierend zu Stress führen, gelöst werden – ganz ohne religiösen Kitsch. So langsam braucht es einem auch nicht mehr zu wundern, dass die Manager dieses Landes geplagte Wesen sind. Was mussten diese armen Teufel in den vergangenen Jahren nicht alles auf sich nehmen: Vom Barfuß über Kohle wandeln, Chaka rufen und Lustreisen, biwakieren in der sibirischen Wildnis, Pilze essen mit Schamanen, Yoga auf einsamen Wellnessretreats etc. pp. da ist dann ein Achtsamkeitsseminar fast schon wieder wirklich erholsam dagegen.

 

Prof. Dr. Ingo Froböse – Funktion und Wichtigkeit körperlicher Regeneration 

Dynamisch und agil – eben so wie man es von einem Motivationsredner erwarten würde – springt Prof. Dr. Ingo Froböse auf die Bühne. Die Kleidung aus modischer Sicht zu eng, aber aus inhaltlicher Sicht demonstrierend, dass sie einen Körper verbirgt, der die Bestätigung der propagierten Thesen liefert: durchtrainiert und leistungsfähig. Sein Vortrag stützt sich ganz auf die Beobachtungen aus dem Spitzensport. Effizientes Training braucht aktive Regeneration – so seine These. Wir erfahren warum Roger Federer bis zu 12 Stunden täglich schläft und wie sich die verschiedenen Schlafphasen auch auf unsere Regenerationsfähigkeit auswirken.

Sinnvoll wären mindestens 8-9 Stunden Schlaf, bei völliger Dunkelheit. Vor dem Schlafengehen sollten Smartphones etc., wenn sie denn schon genutzt werden, zumindest mit orangefarbenen Filtern versehen werden, um unseren Organismus vor den wachmachenden blauen Strahlen zu schützen (gibt es als App kostenfrei zum Download). Froböse führt kurz in die Thematik der klassischen Ernährungsberatung ein und widmet sich dann ausführlicher dem, was er unter „aktiver Regeneration“ versteht. Das kann bei Sportlern das Auslaufen nach einem Marathon bedeuten, aber auch die Anwendung von Massagen oder das einfache Saunieren. Er zeigt an Diagrammen, wie sich Leistungsfähigkeit unter Einhaltung seiner Regeln steigern und optimieren läßt. Dem Vortrag ist nichts hinzuzufügen – er ist klar strukturiert und die Thesen überzeugen. Der Mann strotzt mit seinen 60 Jahren vor Energie und hat das Letzte aus sich herausgeholt.

Es bleibt nur eine Frage: Warum eigentlich?

Vordergründig ist die Antwort klar. Wir leiden unter Stress, wären gerne potenter in allen Bereichen und könnten uns durch höhere Leistungsfähigkeit von unseren Mitbewerbern absetzen.Wer seine Regeln befolgt, wird einen weiteren Schritt in Richtung Selbstoptimierung vollführen können. Die dahinterliegende Philosophie ist klar: man möchte einen Vorsprung im Wettbewerb erzielen. Diese Grundannahme scheint mir jedoch reichlich antiquiert, hat sie uns gesellschaftlich doch genau an den Punkt geführt, an dem die Welt zum jetzigen Zeitpunkt steht. Wie zukunftsweisend ist es, den Mensch noch ökonomischer machen zu wollen, die Sportler noch leistungsfähiger? Warum? Wie spannend ist es, wenn ein hundert Meter Läufer tatsächlich eine tausendstel Sekunde schneller ist?
Wie gewinnbringend für die Gesellschaft ist es, dass in einem Unternehmen weniger Mitarbeiter benötigt werden, da einige über derart perfekte Selbstoptimierungsfähigkeiten verfügen, dass Sie ein Maximum an Leistungsfähigkeit aus sich herausholen können und ermüdungsfrei riesige Leistungspensen erfüllen? Wie zukunftsweisend ist die Idee von Wachstum und Leistungssteigerung?

Damit wir uns nicht falsch verstehen: seine Beobachtung ist grundlegend richtig und es spricht überhaupt nichts dagegen, seine Ernährungsweise, sein Schlafverhalten und sein Regenerationsverhalten zu überprüfen. Wir sollten nur unsere Motivation dabei hinterfragen und uns klar machen, dass zu einem erfüllten Leben – auf persönlicher und gesellschaftlicher Ebene – weit mehr Faktoren gehören. Eine 24 stündige Selbstoptimierung scheint mir bei dieser Fragestellung dann eher kontraproduktiv.

Das Quality Life Forum – Think Tank für Zukunftsgestaltung

Man kann die Leistung eines Robert Lübenoff gar nicht hoch genug schätzen, dass er aus  Eigenitiative und unternehmerischen Risikos heraus, das „Quality Life Forum“ ins Leben gerufen hat. Ein Ort, an dem sich hochinteressante Menschen aus den verschiedensten, gesellschaftlichen Sparten zum Austausch und Kennenlernen treffen durften. Wie kaum ein anderer hat Robert Lübenoff es dabei verstanden, eine inspirierende Zusammenstellung an Rednern und Gästen zu schaffen.

Wie Hermann Hesse in seinem Glasperlenspiel die Balance aus Vita Activa und Vita Contemplativa beschreibt, schafft Lübenoff mühelos den Spagat aus sportlicher Hingabe und intellektueller Konfrontation. Und um den Bogen zu Don Boscos „Heiterkeit“ zu spannen – und damit die Hand dem vorab etwas „abgewatschtem“ Anselm Bilgri reichend – darf man durchaus schmunzelnd, einige Paradoxien hinnehmen. So bietet das Kempinski Tirol zum Thema Nachhaltigkeit gleich mal seinen Gästen Kaffe aus Nespresso Kapseln (gibt es ein besseres Symbol für die ignorante Ausbeutung und Verschwendung von Ressourcen, sowie Vermüllung dieser Welt, als Nespresso?). Während der Seminare zum Thema Achtsamkeit sehe ich diverse Teilnehmer, die Ihren aktuellen Status auf Facebook posten. In der Tiefgarage reicht die Beschreibung der Fahrzeuge der angereisten Gäste mit Porsche, BMW, Maserati etc. gar nicht mehr aus – wir müssen zu den Zusätzen AMG, M oder RS greifen. Da war es doch herrlich, dass dann alle gemeinsam die zehnminütige Fahrt zum Kongresszentrum mit dem  gecharterten Bus zurücklegten. Aber bitte verstehen Sie mich nicht falsch – mein Mercedes stand auch dabei und in dem Bus wollte ich gar nicht erst mitfahren.

Wer denjenigen als unglaubwürdig erachtet, weil er nicht bis zur letzten Konsequenz sein Handeln, seinen Ideen untergeordnet hat, wird dem Menschen nicht gerecht. Entscheidend ist, dass Veränderung ein Prozess ist und dort anfängt, wo Menschen sich an dem Punkt Ihres Lebens treffen können, an dem sie zum selbigen Zeitpunkt gerade stehen. Es ist also nicht falsch, sondern naheliegend, dass die Entscheidungsträger unserer Gesellschaft, sich im Jahre 2017 in einem Kitzbüheler Kempinski treffen. Und es ist gut, dass wir uns im Jetzt und Hier darüber auseinander setzen, was für uns selbst und für die zukünftigen Generationen sinnvoll ist.

Ich bin mir über eines ganz sicher, jeder von uns ist als ein Anderer gegangen, als der er gekommen ist. Wer weiß, wo und wie das Quality Life Forum 2020, 2030 oder 2040 stattfinden wird?

Tobias Vetter