Fachanwalt Verwaltungsrecht – vom kreativen Umgang mit komplexen Sachverhalten

eingetragen in: Kultur, N°15 | 0

Fachanwalt Verwaltungsrecht – Edna Gerold aus Starnberg im Gespräch über Kreativität und trockene Sachverhalte

 

Kontrolliertes Risiko, kreative Lösungswege, passionierte Akribie und Spaß an Komplexität. Beim heiteren Berufe raten hätten Sie womöglich einige Versuche benötigt. Lachend sitzt Edna Gerold im standesgemäßen „Wassily“ Freischwinger. Starnberger Anwältin für öffentliches Recht mit Schwerpunkt Bau- und Kommunalrecht.

Ziemlich lebendig und agil, um die Augen stets kleine Lachfältchen. Angefangen hat alles aus einer großbürgerlichen Idylle heraus. Der Vater Professor für Anatomie und Histologie, die Mutter Lehrerin und Hausfrau und dazu zwei ältere Schwestern. Rückblickend lief ihr Werdegang erstaunlich geradlinig. Von den Klavier- und Cellostunden über Praktika in London und den USA bis zum juristischen Abschluss an der LMU in München.

Vielleicht etwas zu geradlinig, denn die Passion für die Juristerei entdeckte sie ehrlicherweise erst im 3. Semester, als Sachverhalte im Baurecht zum ersten Mal einen Bezug zur gelebten Realität zu haben schienen. Von da an war klar – es sollte das öffentliche Recht werden. Es folgten Zusatzkurse auf diesem Gebiet, Praktika in den entsprechenden Kanzleien und die Qualifizierung als Fachanwältin für Verwaltungsrecht. Diese Geradlinigkeit hatte ihr einerseits einen Job in einer der führenden Münchner Kanzleien für öffentliches Recht eingebracht, andererseits wurden dort die Mandanten zu Nummern und die Aufgaben zu Aufgabenfeldern und schließlich zu einzelnen Facetten.

2006 gründete Edna Gerold, Mutter zweier Kinder, also kurzerhand ihre eigene Kanzlei in Starnberg. Offensichtlich wollten die Klienten auch gar nicht als Nummer abgefertigt werden – ein Großteil ihrer Mandanten folgte ihr einfach.

„Jeder Fall hat etwas mit Verantwortung zu tun, und nur wer den Gesamtkontext eines Klienten kennt, wird Lösungswege finden, die in einer Verhältnismäßigkeit zum großen Ganzen stehen“, so Edna Gerold. Zuhören, sich Zeit nehmen, sich zurücknehmen. Fälle immer und immer wieder durcharbeiten, wenn es sein muss bis tief in die Nacht, und immer im festen Glauben daran, dass es noch Alternativen zum bereits Gedachten geben könnte.

Als Ausgleich zu stundenlanger Recherche und häufiger Nachtarbeit? Skitouren, Windsurfen und Snowboard Freeriding. „Erst mit meiner Selbstständigkeit ist mir bewusst geworden, wie wichtig dieser Sport für mich ist.“ Je intensiver und passionierter die Arbeit, umso extremer der Sport, denn Windsurfen kann man am Starnberger See natürlich am besten in späten Herbststürmen mit entsprechendem Neoprenanzug. Dabei bezeichnet sich Edna Gerold eher als vorsichtiger  Mensch. Das vermeintlich Extreme ist das Resultat eines kontrollierten Risikos. Innerhalb ihrer Grenzen und des Machbaren. „Eigentlich eine gute Definition meiner Arbeit“, meint sie, „unter Berücksichtigung der Risiken und innerhalb der realen Möglichkeiten den optimalen Lösungsweg finden.“

Sie erzählt vom passionierten Falkenzüchter, dem die Behörden die Nutzung seiner Volieren untersagen wollten, von der alten Dame, der von der Lokalbaukommission das Wohnrecht in ihrer Doppelhaushälfte entzogen werden sollte, obwohl die andere Hälfte ein entsprechendes Recht hatte.

Das sind in erster Linie menschliche Schicksale.

Komplexer sind die Aufgabenfelder für Bauvorhaben – vom Einfamilienhaus bis zum Gewerbe-  oder Industrievorhaben. Ob Beratung im Vorfeld, Betreuung in der Entwicklungsphase oder der vermittelnde Dialog mit den entsprechenden Behörden. Gerade Behörden stellen für nicht gewerbliche Kunden eine große Herausforderung dar. Sollen bestehende Objekte verändert werden, sind Konflikte vorprogrammiert.

Es gibt aber auch die andere Seite. Nachbarn wollen sich gegen geplante oder bestehende Objekte wehren, Interessengruppen organisieren sich gegen private oder staatliche Bauvorhaben. Da gilt es, ganz besonders zu schauen – was stört die Mandanten, was ist ihr Ziel, kann dieses Ziel erreicht werden, welche Wege führen dorthin, welche Alternativen gibt es? Denn gerade bei der Abwehr von Vorhaben sind die juristischen Möglichkeiten oft begrenzt.

Zu Edna Gerold kommen auch immer wieder Mandanten mit Beitragsbescheiden, die sie von Kommunen bekommen haben. Da wurde eine Straße gebaut, Kanäle oder Wasserleitungen neu verlegt oder ein Gebäude erstmals an diese angeschlossen; und dann sollen hierfür Beiträge gezahlt werden. Hier geht es um rein juristische Fragen, wie Satzungsrecht, vielfach für den „Normalmenschen“ nicht logisch und nicht durchschaubar und auch für die wenigsten Anwälte verstehbar. Viele der Forderungen stellen sich dann als nicht rechtens heraus.

„Ich hatte einen Fall“, erzählt Edna Gerold, „da habe ich einen Immobilienfond gegen eine Kommune vertreten. Da ging es um Beiträge im sechsstelligen Bereich. Viele Risiken, viele ungeklärte juristische Fragen, viele Vergleichsgespräche mit der Kommune, immer wieder Diskussionen mit den Mandanten, ob wir angesichts des Risikos weitermachen. Nach 9 Jahren, mehreren Versuchen der Kommune, neue Bescheide zu erlassen, und drei Gerichtsverfahren hatten wir es gewonnen.“

Oft ist aber juristische Mediation Edna Gerolds probates Mittel: „Im Idealfall ist eine außergerichtliche Lösung immer erstrebenswert.“ Sollte dies nicht möglich sein, leben wir bei allen Vorbehalten noch immer in einem der modernsten Rechtssysteme der Welt. Mediation im Vorfeld – klares, schnelles und strukturiertes Vorgehen im Falle des Rechtsstreits. Und dann lacht sie wieder und man hat auf der Stelle vergessen, dass da eine Anwältin sitzt. Für was noch mal? – öffentliches Recht, Baurecht, Kommunalabgabenrecht, Naturschutzrecht …

 

 Seestyle