In einer spirituellen Einheit

eingetragen in: N°5, Seestyle Magazin, Wohnen | 0

Form folgt Funktion – das ist oft missverstanden worden. Form und Funktion sollten Eins sein, verbunden in einer spirituellen Einheit.
Frank Lloyd Wright

Objekt Consult Innenarchitektur + Möbelkollektionen
Wer den Eingangsbereich des nagelneuen Büros der Immobilienfirma Colliers im Gebäudekomplex der Nymphenburger Höfe in der Münchner Maxvorstadt – Münchens aktuellem Luxusimmobilien-Vorzeigeprojekt – betritt, dessen Blick wird gefangen von einer riesigen, dunkelgrau schimmernden Schnecke. Die indirekte LED-Beleuchtung, die vom Sockel des Rundtresens auf den Boden strahlt, lässt das Objekt optisch im Raum schweben, das Licht- und Schattenspiel setzt sich an Decke und Wänden fort – und lässt Wartezeiten im Empfangsbereich im Gefühl auf Sekunden zusammenschnurren: Man hat kaum fertig gestaunt, schon wird man zum Termin gebeten.
Das von Maren Böttcher von der Starnberger Firma Objekt Consult entworfene Designerstück erfüllt alle Funktionen eines Empfangstresens mit Backoffice und Postverteilungsstelle – und wirkt zugleich fast wie eine Skulptur.
Das Objekt aus MDF-Platten mit einer Spachtelung aus Metallpigmenten wurde von Schreinern und Malern aufwendig nach Maß gefertigt.
Damit der Tresen im Empfangsbereich auch optimal zur Geltung kommt, übertrug die Innenarchitektin die Gestaltungsidee auf den ganzen Raum: Auch die Wände wurden – mittels einer Konstruktion aus hinterleuchteten Gipskartonplatten – in eine weiche, geschwungene und nach unten abfallende Form gebracht. Und nun ist dieser Empfangsbereich – und das gesamte, 2.000 Quadratmeter große Büro für 80 Mitarbeiter – nicht nur ein Aushängeschild für das neue Colliers-Büro, sondern auch ein Vorzeigestück für Objekt Consult.
Die Firma für Interior Design aus Starnberg-Percha berät nämlich nicht nur Privatpersonen in ihrer Inneneinrichtung. Das Know-how und die Aufgabenfelder des Teams aus elf Innenarchitekten, Architekten und Beratern unter der Ägide von Unternehmenschef Christoph Junker gehen viel weiter. Sie reichen von der Einrichtungskonzeption für ein Appartement bis hin zur innenarchitektonischen Projektplanung und -ausführung für große Firmen, von Starnberg über München bis in die Schweiz, nach Spanien und sogar bis New York. Und, um beim Beispiel Colliers zu bleiben: Die Leistungen reichen von der Auswahl der Fußbodenleiste bis zur Türzarge, vom Teppich bis zum Stuhl; von Design und Fertigung des Empfangstresens bis hin zur Espressobar, von der Gestaltung der Konferenztische und Arbeitsplätze über die Auswahl und Fächereinteilung der Sideboards, bis hin zum kompletten Farb- und Lichtkonzept. Und: In den Nymphenburger Höfen wurden gleich zwei Büros von Objekt Consult gestaltet – neben dem neuen Firmensitz von Colliers auch der neue, 600 Quadratmeter große Firmensitz der Unternehmensgruppe Optima-Aegidius, die auch Projektentwickler für die Nymphenburger Höfe war.
Während der gestalterische Schwerpunkt bei der inhabergeführten Firma Optima vorwiegend auf Funktionalität und schlichte Eleganz lag – hochwertig, modern aber dezent –, durfte es bei der Immobilienfirma Colliers etwas exzentrischer zugehen. „Colliers ist eine große Vermarktungsfirma für Immobilien: Hier geht es auch immer um Architektur. Und da möchte die Firma gerade in ihren eigenen Räumen zeigen, wie man selbst aus einer Mieteinheit etwas Besonderes machen kann – also ist Innovation gefragt.“
So entstand die Idee zur futuristischen Schnecke inklusive ausgeklügeltem Lichtkonzept
– und wurde von Colliers sofort abgesegnet.
„Das finde ich so interessant an diesem Beruf“, erklärt Maren Böttcher: „Werbeagenturen etwa setzen mit einem Logo die Firmenphilosophie um, für uns ist es die Aufgabe, durch Einrichtung, Farbe und Licht den Charakter von Unternehmen und oft auch der Geschäftsleitung optisch sichtbar zu machen.“ Doch auch die Vielfalt der Anforderungen ist es, die sie schätzt: Man kann nicht nur kreativ gestalten, man muss auch in der Lage sein, Ideen überzeugend zu präsentieren. Denn für einen Laien ist es nicht immer einfach, sich vorzustellen, wie ein Möbelstück, eine Farbe, ein Beleuchtungskonzept später im Raum wirkt. „Dann ist meine Erfahrung gefragt, meine Überzeugung und Überzeugungskraft – damit ich bei eventuellen Zweifeln versichern kann: Das wird schön“, erklärt Maren Böttcher.
Dazu kommt natürlich die Koordination des Gesamtprojekts. Maren Böttcher – und jeder ihrer Kollegen bei Objekt Consult – ist kreative Innenarchitektin, Projektleiterin, Terminkoordinatorin, Logistikerin und Bauüberwachung in einem. In den Nymphenburger Höfen etwa wurde seit Herbst 2010 geplant, gebaut und montiert, von der ersten Besprechung und Baustellenbesichtigung bis zur Schlüsselübergabe in den fertig gestalteten Räumen verging ein gutes halbes Jahr – denn Großprojekte brauchen Zeit. Das bedeutet konkrekt: Nach den ersten Besichtigungen und der Vermessung der Räume wird das Konzept entworfen und mit dem Auftraggeber abgestimmt. In der Vorphase der Ausführungen trifft sie sich ein- bis zweimal pro Woche zu Jour-fixe-Terminen mit Baufirma und Handwerkern, drei Wochen vor Baubeginn finden die Meetings fast täglich statt. Und während der Montage und Aufstellung der Objekte und Möbelstücke schließlich steht sie jeden Tag in den Räumen – teilweise acht bis zehn Stunden lang.
Ständige Rück- und Terminabsprachen gehören zum Alltag. Mit Elektrikern werden Beleuchtungsfragen geklärt, mit Trockenbauern die Rundungen der Wände besprochen, mit Malern trifft sie sich zur Farbbemusterung. Natürlich müssen alle Termine auch in Abstimmung mit der Baustelle koordiniert werden – schließlich macht es keinen Sinn, eine Tresen zu liefern und aufzustellen, bevor der Boden fertig ist oder Leuchten zu montieren, bevor die Wände verputzt sind.
Und auch wenn immens viel Arbeit und komplizierte Koordination an so einem Projekt hängen: Maren Böttcher findet genau dies so zufriedenstellend. „Eben, weil wir von Anfang an dabei waren“, sagt sie.
„Wir konnten die komplette Innenarchitektur gestalten und teilweise sogar die Architektur verändern. „Bei Optima etwa haben wir die Raumaufteilung optimiert und gestalterisch darauf eingewirkt: Die Gänge wurden durch hohe Glaselemente aufgehellt, in den Boden eingelassene Kiesbetten – eine Idee des Bauherrn – haben wir genau durchgeplant und ausgeführt.“ Optische Highlights bei Optima, ebenso dezent wie hochwertig, wurden dann der Empfangstresen und die Espressobar in schimmerndem Weiß – bis ins Detail durchdacht, passgenau entworfen und custom-made gefertigt aus dem Mineralwerkstoff „LG-hi-macs“. Die Einzelteile wurden zusammengesetzt, verschliffen und poliert, so dass optisch zwei monolithische Körper entstanden. Die geringe Raumtiefe des Empfangsbereichs wurde durch diese langen, elliptischen Formen gemildert, es entstand eine großzügige Optik. Der Besucher steht beim Eintreten nicht mit nur einem Schritt sofort direkt vor dem Tresen, und dennoch ist ein vollwertiger Arbeitsplatz vorhanden. Und: Sinnvolle Details wie ein Ausschnitt in der Tresenplatte für den Computerbildschirm oder Facheinteilungen in der Espressobar, die in den Maßen exakt auf die Kaffeekapsel-Schachteln für die verwendete Nespresso-Maschine abgestimmt wurden, sind das gewisse Etwas, das es von der Stange eben nicht gibt.
Und so erkennt man in diesen Objekten am Ende den unterschiedlichen Charakter der Firmen ebenso wie die „Kreativität nach Maß“ der Interior-GmbH Objekt Consult Starnberg.

Jutta Mlnarschik