Mut braucht man heftig in der heutigen Zeit

eingetragen in: N°11, Produkte | 0

Wie viel Mut brauchen zwei Frauen, um im beliebten Berg am Starnberger See einen Laden für Interior Design aufzumachen? „Wahnsinnig viel Mut“ platzt Valerie Negges heraus und verrät: „Alleine hätte ich das nicht gemacht. Aber Pamela hat von Anfang an gesagt, das ziehen wir durch.“ Auch Pamela Negges gibt zu: „Mut braucht man heftig in der heutigen Zeit.“ Doch sie weiß auch: „Wenn man den Mumm nicht hat, bewegt man nichts. Aber wenn man mit Freude arbeitet, verstärkt das den Mut.“ Ihre Augen leuchten dabei und ihr Gesicht strahlt. Und man merkt beiden Frauen an: Sie sind stolz auf das, was sie gewagt haben.

Doch von vorne. In Berg gibt es seit rund fünf Monaten „Valerie’s Joy of Living“. Und der Name ist Programm: „Man soll sich am Zuhause erfreuen, es dort schön haben und sich wohlfühlen. Das ist genauso wichtig wie sich hübsch anzuziehen und ein schickes Auto zu fahren“, erklärt Valerie die Idee.“ Und diese Freude muss nicht immer teuer sein. „Man findet hier Kleinigkeiten für zehn Euro genauso wie exklusive Einzelstücke. Junge Leute können genauso kommen wie Etablierte.“ Darum gibt es vom Teelicht über Tischsets bis zum Geschirr, vom Teppich über Sessel und Sofa bis zu Wandobjekten, Kunst, Bildern und ausgefallenen Leuchten, von Kissen über Körbe bis hin zum Tisch und von Schuhen über Handtaschen bis Schmuck, Kosmetik und Parfum reichlich Schönes für jeden Geldbeutel.

Valerie und Pamela Negges sind gleichwertige Geschäftspartnerinnen. Pamela, die zweite Ehefrau von Valeries Vater, war anfangs, vor etwa zwei Jahren, treibende Kraft des Projekts. „Ich hatte immer schon die Idee, einen Laden zu machen – und zwar so, wie ich ihn mir selbst wünschen würde, wenn ich einkaufen gehe“ erklärt sie. Valerie lebte damals in New York – sie hatte dort studiert und arbeitete dann als Interior Designerin – und trug sich mit dem Gedanken, zurückzukehren in die deutsche Heimat. Also erzählte ihr Pamela von der Idee – und Valerie’s Neugier war geweckt. Denn: „Ein Laden war für mich auch immer ein Traum.“ Es folgten eineinhalb Jahre und unzählige Telefonate. Es wurde geträumt, gegrübelt und geplant. Und irgendwann stand der Entschluss fest.

Dann begann die Detailarbeit: Die richtige Location wurde gesucht und im Alten Brauhaus von Berg gefunden. Es wurde renoviert, tapeziert und gestrichen, der Laden wurde eingerichtet, Produkte wurden geordert. Wenn eine von beiden zwischendurch Zweifel oder Ängste hatte, machte die andere ihr wieder Mut. Und dann … „Mitten im November, an einem Freitag, haben wir die Tür aufgesperrt und mit Spannung gewartet, wer hereinkommt“, berichtet Pamela, und die vorfreudige Erwartung dieses Tages ist ihr förmlich am Gesicht abzulesen. Und überhaupt: Beobachtet man, mit welcher Begeisterung die beiden erzählen und wie sie sich immer wieder gegenseitig ergänzen, merkt man: Hier ist die Leidenschaft zu Hause und die Zusammenarbeit läuft perfekt. Pamela kümmert sich um Management und Buchhaltung, Valerie um Detailfragen des Interior Design. Ansonsten arbeiten sie Hand in Hand, Bestellungen erledigen sie gemeinsam, und im Laden macht jede alles. „In vielen Dingen haben wir ein stilles Einverständnis, aber auch der Generationsunterschied ist bereichernd: Unsere Stile ergänzen sich“, freut sich die Ältere.

Am wichtigsten ist ihnen, im Laden eine angenehme Atmosphäre zu schaffen. „Man will nicht immer kaufen, sondern auch mal nur gucken. Das kann man hier in aller Ruhe“, erklärt Pamela. Und das kommt bei den Kunden an.

„Die Leute hier sind sehr offen, es ergeben sich viele Gespräche,
und wir bauen schnell eine Beziehung auf“, findet Pamela Negges. 

So wird auch bereits der zweite Traum von Valerie Realität: „Ich werde auch hier als Interior Designerin arbeiten. Und das etabliert sich schneller als gedacht. Im November haben wir angefangen, unsere Geschäftsideen einschließlich Inneneinrichtung zu erklären und jetzt kommen die Leute schon und fragen: ‚Kommen Sie zu mir nach Hause?’ Da geht es noch mehr um Styling als um komplette Einrichtungen, aber das macht nichts“, freut sie sich. Denn schließlich gehört auch das zu ihrem Credo, das sie mit dem Laden transportieren möchten: „Ich würde nie irgendwo reingehen und sagen: ,Sie müssen das ganze Haus verändern.’ Ich schaue erst einmal, was man mit der bestehenden Einrichtung machen kann. Denn schon Kleinigkeiten – eine andere Wandfarbe, schöne Kissen, ein Bild – können viel bewirken.“ Das zeigen sie auch im Showroom, der immer wieder neu gestaltet wird. „Unsere Botschaft ist: Entspannt Euch, hier bekommt Ihr schöne Ideen, wie man Vorhandenes integrieren kann und dem Wohnbereich ein neues Gesicht verleiht.“

Doch wo findet man all die besonderen Stücke, die eine Wohnung in einen Ort der Lebensfreude verwandeln? Valerie hat vieles aus USA mitgebracht oder dort bestellt – etwa eine Serie von großen, dick mit Daunen gefüllten Kissen verschiedenster Designs. Dazu kommen Stücke, die sie in verschiedenen Ländern suchen und finden. „Lather“, eine exklusive Kosmetiklinie aus Kalifornien, die hier noch kaum bekannt ist, gehört zum Sortiment, Klassiker wie Deko-Objekte von „Lambert“ oder Handtaschen von „Aigner“ runden das Programm ab. Fragt man Valerie nach ihrem Lieblings-Stil, muss sie kurz nachdenken: „Das englische ,eclectic’ wäre das richtige Wort. Modern und traditionell, gerne von allem etwas, sodass es funktioniert. Zu Hause darf es nicht aussehen wie in einem Showroom. Es muss gemütlich sein und warm.“

Und wie sehen die Zukunftspläne aus? „Wir geben uns Zeit bis „Valerie’s“ zu einer konstanten Anlaufadresse geworden ist. Wir setzen darauf, dass sich Qualität in der Beratung und freundlicher Service schnell herumsprechen“, sagt die Managerin in Pamela. Doch nicht nur das Wirtschaftliche zählt: „Wenn die Leute erkannt haben, dass wir anders sind – vom Styling bis zum Service – und wir uns einen Namen gemacht haben, sodass man auch von weiter her zu uns kommt: Das wäre der größte Hype“, strahlt sie. „Dass man sagt: Das sind Spezialisten, die unser Haus ein bisschen verändern, ohne dass es nach Architekt oder sterilem Design aussieht“, wünscht sich Valerie. Und Pamela, die Mutige, träumt weiter: „Und in weiter Ferne: noch den ein oder anderen Laden dazu. Unsere Idee noch in eine andere Stadt zu tragen, das wäre was.“ Valerie lacht amüsiert und kopfschüttelnd über die Fantasien ihrer Geschäftspartnerin. Aber vermutlich wird Pamela sie schon von ihren Ideen überzeugen, wenn es so weit ist – genauso wie sie es schon einmal geschafft hat.

∗ Jutta Mlnarschik