Alex Katz – Maler der Moderne

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Zu Zeiten, als Alex Katz sein Kunststudium an der Skowhegan School of Painting and Sculpture in Skowhegan, Maine beendete, begann sich die Kunstwelt rasanter zu entwickeln als jemals zuvor. Künstler wie Jackson Pollock – bekannt durch seine Actionpaintings – sorgten für Aufsehen. Der abstrakte Expressionismus war geboren und wenn es in dieser Kunstwelt vielleicht einen gemeinsamen Nenner gab, dann den, dass figurative Malerei nicht gerade hip war.

 

Auf den ersten Blick scheint Katzs Malerei relativ banal zu sein. Zuweilen erinnert sie an Oberstufenschüler, die im Kunstkurs sorgfältig mit Bleistift vorgezeichnete Porträts nachkolorieren. Tatsächlich ist eines der auffälligsten Merkmale der flache Farbauftrag. Nass in Nass – die Farben bereits auf der Palette gemischt, werden die Farben aufgetragen. Doch während ein flacher Farbauftrag bei einem Matisse zu um die Bildtiefe konkurrierenden Flächen wird, bleibt die Malerei von Katz unaufgeregt zweidimensional. Es sind Momente der amerikanischen Mittelschicht der 50er- und 60er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts, die Katz interessieren. Die Story des Sujets vor und nach dem gemalten Moment muss im Kopf des Betrachters entstehen.

 

Spätestens als die Motive sich dem wachsenden Einfluss von Film und Werbeaufnahmen nähern, werden Parallelen zu anderen Kunstrichtungen wie der Pop-Art spürbar.

Doch Katz ist mehr Maler als Konzeptionist und ein Teil seiner Malweise ist schlicht und ergreifend dem Wunsch geschuldet, schnell agieren zu können. Malerei in mehreren Farbschichten ist eben nicht prädestiniert, um Momente einzufangen.

Beindruckend klar, schön, einfach und doch völlig entrückt und in sich gekehrt. Dieser melancholische rote Faden zieht sich trotz aller Klarheit der Farben durch sein komplettes Werk. Und dieser gemeisterte Widerspruch macht ihn für mich zu einem glaubwürdigen Künstler des 20. Jahrhunderts.

Tobias Vetter