Georg Baselitz Porträt – gerotzte Poesie

Georg Baselitz Porträt und Werkbeschreibung – Knowing Art

 

Georg Baselitz – der letzte deutsche Malerfürst und einer der wenigen, die sich diesen Namen auch wirklich verdient haben. Denn das Werk Baselitz‘ ist Malerei vom Feinsten. Rotzig, klar, direkt, schonungslos und immer poetisch. Aber der Reihe nach, denn Baselitz ist durchaus ambivalent zu betrachten. 1938 in Deutschbaselitz in der sächsischen Oberlausitz geboren, beginnt er seine Kunstkarriere 1956 an der Kunsthochschule Berlin Weißensee. Bereits nach 2 Semestern wurde er wegen Nichtangepasstheit der Hochschule verwiesen. Leicht nachvollziehbar, fällt er in den kommenden Jahrzehnten doch immer wieder durch laute, provokante Aktionen und Statements auf. Und schließlich gelangt er zu weltweitem Ruhm, indem er seine Gemälde auf den Kopf stellt. Was soll man von so einem Einfallspinsel halten? Baselitz ist Maler und seine Statements über Malerei und Kunst sind teilweise schlicht haarsträubend. Vielleicht ist es der politischen Zeit seiner Kindheit und Jugend geschuldet, den Drang zu verspüren, Kunst zu politisieren und Dingen Bedeutung zu geben. Aber einen Ronaldo lieben wir auch nicht wegen seines analytischen Verstands. Denn ob bei Baselitz die Figuren auf dem Kopf stehen oder nicht, ist gänzlich irrelevant.

Auch wenn er es zu vertuschen sucht, hinter den Werken stecken brutale Präzision und kompromissloses Können. 

Die Farbkompositionen sind einzigartig, die Pinselführung völlig klar und zielstrebig. Selbst scheinbar fahrlässig gepinselte Strukturen sind genau das und nichts anderes: fahrlässige Strukturen. Anatomische versierte Zeichnungen stehen pastoser Farbkraft gegenüber und transparente, aquarellierte Bereiche fügen sich aufs Selbstverständliche in das Gesamtarrangement.

Da kann sich Baselitz winden, wie er will – der Mann hat‘s drauf! Poesie, Verletzlichkeit und Zartheit sind in seinen Werken omnipräsent, der wilde Gestus und die abgefuckte Geringschätzung seines rotzigen Farbauftrages nur Bestätigung desselben. Und dafür erfährt er völlig zu Recht höchste Bewunderung.

 

∗ T.V.

 

Georg Baselitz

zu sehen im

Franz Marc Museum

Kochel am See