Zeichner – Bildhauer – Maler: Matthias Gangkofner

eingetragen in: Kultur, Menschen, N°23 | 0

Einen besseren Vorstand hätte das Münchner Künstlerhaus am Lenbachplatz sich gar nicht aussuchen können. In Matthias Gangkofners Werk vereinigen sich die drei großen Gebiete der bildenden Kunst – Malerei, Zeichnung und Bildhauerei – zu einem einzigen Oeuvre.

 

„At some point we’ve got to stop asking ourselves what is the meaning of everything, maybe it’s not so very important what it means. 

It’s probably more important what the sense of it is – they are two very basic and different things“

Tony Cragg

Gerhard Richter ist ein Liebling der Kunstszene. Unter anderem deshalb, weil er verschiedenste Gattungen scheinbar mühelos beherrscht. Kritischere Stimmen sehen an dieser Herangehensweise ein Ausweichen und Vermeiden, woraus allzuschnell Beliebigkeit resultiert. Und auch Matthias musste durchaus die Erfahrung machen, dass die Kombination seiner Arbeit nicht nur auf offenes Interesse stößt. Anders wie Richter, kehrt Gangkofner jedoch stoisch zu seinen Themen zurück, wechselt die Gattung nur, um eine neue Perspektive auf gleiche Konflikte zu generieren.

In seinen Zeichnungen von Tierschädeln und Abstraktionen von zerfallenden Kadavern bleibt er der bescheidene Beobachter, der sein solides handwerkliches Können in den Dienst der Metamorphose stellt. Die pure biomechanische Ästhetik der natürlichen Bauformen wandeln sich zu roboterhaften Greifarmen einer Sience Fiction Zukunft. Aus den mit präzisem Strich gefertigten Skizzen, formt Gangkofner dreidimensionale Gipsschädel, die zu Skulpturen verschmelzen.
In Messing gegossen, versilbert und poliert, wird aus der Fiktion ein greifbares Objekt. Der Charme des morbiden erinnert an HR Giger. Überhaupt scheint Gangkofner ganz gern mit der Apokalypse zu kokettieren. In einer 2 auf 3 Meter großen Öladaption von Rubens „Höllensturz der Verdammten“, hat er kurzerhand einige seiner Künstlerkollegen hineinporträtiert. Ein erster Hinweis auf subtil angebrachte Ironie. Denn wo sich eben noch ein in der Schlacht gefallenes Pferd, als lebensgroße Skulptur, in der schmerzhaften Verkrümmung – einem Matthias Grünewald würdig – auf dem Boden quält, fällt mir plötzlich sein Buch mit satirischen Zeichnungen in die Hände. War Gangkofner eben noch der akribische Naturbeobachter, fängt die Bleistiftspitze nun förmlich zu leben an. Expressiv, schnell aber messerscharf amüsiert sich Gangkofer, ganz künstlerisch uneitel, über das menschliche Sein und seine Nöten. Das einige Arbeiten an Georg Grosz erinnern, zeigt Gangkofner solides, kunsthistorisches Fundament, aus dem nicht nur seine Themen, sondern vor allem auch seine handwerklichen Techniken Ihren Ursprung finden.
Zartheit, Licht, Berührungen und Farbflächen, die Beziehungen generieren und Kompositionen bilden – all das, was man in den Zeichnungen und Skulpturen von Gangkofner vergeblich sucht, findet sich in den Ölgemälden wieder. Doch auch hier ist Matthias ein Suchender. Aber nicht der präzise zeichnende Beobachter, sondern der liebliche, mit seinen Sinnen wahrnehmende, fühlende Maler.
Wieder ist die Natur das zentrale Element dieses dritten Gangkofnerschen Oeuvres. Man kann es allerdings wieder förmlich spüren: lang wird er es in der rein auf sich wirkenden und wahrnehmenden Position nicht aushalten. Dann beginnt seine Entdeckungsreise wieder von vorne. Wenn er mit Bleistift und Papier seinen Empfindungen zu Leibe rückt, klar und scharf das Erkannte skizziert. Das Skizzierte skulpturell greifbar macht, um schließlich in den darauf folgenden Malereien wieder sanft auszuatmen und Ruhe zu finden.

Zeichnung, Bildhauerei und Malerei: Der Lebenszyklus des Matthias Gangkofner.

von Tobias Vetter

www.matthiasgangkofner.com