Wolfgang Tillmans – Die Erforschung des Unerwarteten

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Es gibt Künstler, die sind mit der Kunstgeschichte besser vertraut als mit ihrer eigenen Arbeit. Sie können Sachverhalte herbei interpretieren und ihre eigene Arbeit in intellektuelle Kontexte setzen, dass man nur so staunen kann. (Vor allem, wenn man sich die Werke dazu betrachtet.)

Wolfgang Tillmans ist anders.

Dieser Fotograf ist wahrlich nicht leicht zu fassen. Natürlich kennt er sich in der Kunstgeschichte aus, weiß um Parallelen seiner Arbeit zur Malerei. Kennt die gängigen Konstrukte, in denen sich Kunsthistoriker Gedankenwelten von Künstlern erklären. Er bleibt mit seinen Erklärungen wohltuend bodenständig. Ein Suchender ist er in seiner Fotografie, ein Erforscher. Stellt den Menschen in einen Gesamtkontext mit der Natur, gar dem Universum. Will den Dingen in ihrer sachlichen Selbstverständlichkeit auf den Grund gehen. Und doch muss er einräumen, dass viele seiner Arbeiten – z. B. aus den Neunzigern – doch nur eine Fiktion waren, die als Realität wahrgenommen wurden.

Bis vor wenigen Jahren hat Tillmans ausschließlich analog fotografiert. Auch diese Arbeitsweise steht für Unverfälschtheit.

Trotz aller Bescheidenheit und der Betonung der Rolle des Beobachters – er taucht immer wieder auf, der Tillmans: zum Beispiel in seinen homoerotischen Motiven.

Letzten Endes ist es für mich aber auch genau der Moment in seiner Arbeit, in dem er sich von einem reinen Dokumentator differenziert.

Denn so selbstverständlich und bedeutungslos der Mensch auf diesem Planeten ist, so ist er doch Mensch mit all seinen Eitelkeiten und Bedürfnissen.

Große Fotografie also, intime Momente und sensible Bekenntnisse.

 

 Tobias Vetter